CRA-Portal

Die Nachweiskette

Eine Compliance-Dokumentation, die ihr Inhaber nachträglich stillschweigend ändern kann, beweist wenig. Würden wir Sie bitten zu glauben, dass ein Vorfall am 3. Oktober gemeldet wurde, während nur wir in die Datenbank sehen können, dann bäten wir Sie, uns beim Wort zu nehmen. Eine Marktüberwachungsbehörde, ein Kunde oder eine benannte Stelle sollte das nicht müssen.

Deshalb versiegelt CRA-Portal sein Protokoll täglich außerhalb des eigenen Systems. Diese Seite erklärt, wie das funktioniert, was unsere Systeme verlässt und was nicht, und wie Sie es selbst nachrechnen können, ohne uns irgendetwas glauben zu müssen.

Schritt 1: jedes Ereignis erhält einen Fingerabdruck

Wird ein Vorfall gemeldet, ein Dokument hochgeladen oder eine Meldung eingereicht, schreibt das Portal dazu eine Zeile in ein Protokoll, das ausschließlich wächst. Zeilen werden nie geändert oder gelöscht; das verweigert bereits die Datenbank selbst, nicht nur die Software.

Zu jeder Zeile berechnen wir einen Fingerabdruck: eine Zahl aus 64 Zeichen, die sich vollständig aus dem Inhalt dieser Zeile ergibt. Ändert man einen einzigen Buchstaben in einer Beschreibung, ist der Fingerabdruck völlig anders.

Schritt 2: die Zeilen hängen aneinander

Jeder Fingerabdruck wird auch aus dem vorhergehenden berechnet. So entsteht eine Kette. Wer eine Zeile in der Mitte ändert, muss auch alle nachfolgenden Fingerabdrücke neu berechnen, sonst bricht die Kette sichtbar.

Damit wird Manipulation für jeden sichtbar, der die Kette nachrechnet. Ein vollständiger Beweis ist es aber noch nicht: wer die Datenbank betreibt, könnte theoretisch die gesamte Kette neu berechnen. Dafür gibt es Schritt 3.

Schritt 3: das Protokoll wird außerhalb unseres Systems versiegelt

Regelmäßig nehmen wir alle Fingerabdrücke seit der letzten Versiegelung und verdichten sie zu einer einzigen Zahl, einer Merkle-Root. Diese eine Zahl steht für die gesamte Reihe. Anschließend bringen wir sie auf zwei unabhängigen Wegen nach aussen.

Ein qualifizierter Zeitstempel (RFC 3161). Ein unabhängiger Zeitstempeldienst signiert die Aussage, dass diese Zahl zu diesem Zeitpunkt existierte. Innerhalb der EU ist ein solcher Zeitstempel nach eIDAS ein starker Nachweis. Die Kehrseite: Sie vertrauen damit dieser einen Stelle.

Ein Anker in der Bitcoin-Blockchain (OpenTimestamps). Dieselbe Zahl geht an die öffentlichen Kalenderserver von OpenTimestamps. Diese bündeln weltweit Tausende solcher Zahlen zu einer einzigen und schreiben sie in eine Bitcoin-Transaktion. Sobald sie in einem Block steht, liegt sie auf Zehntausenden Rechnern weltweit fest. Niemand kann daran noch etwas ändern: wir nicht, und kein Administrator mit Zugang zu unseren Systemen.

Beide gleichen die Schwäche des jeweils anderen aus. Der Zeitstempel wirkt sofort und ist innerhalb der EU juristisch stark; der Bitcoin-Anker braucht Stunden, verlangt dafür kein Vertrauen in Dritte. Deshalb nutzen wir beide, bei jeder Versiegelung.

Was unsere Systeme nicht verlässt

Nur diese eine Zahl. Keine Vorfallbeschreibungen, keine Dokumente, keine Namen, keine Unternehmensdaten. Ohne Ihre eigenen Aufzeichnungen ist die Zahl bedeutungslos: daraus lässt sich nichts ableiten und nichts zurückrechnen.

Das ist eine bewusste Entscheidung und kein Detail. Was einmal in einer öffentlichen Blockchain steht, ist nie wieder löschbar. Personenbezogene Daten und Geschäftsgeheimnisse gehören dort nicht hin und gelangen bei uns auch nicht dorthin. Wir zahlen keine Transaktionsgebühren und halten keine Kryptowährung; wir fahren auf einem Bündel mit, das die Kalenderserver zusammenstellen.

Wie Sie es selbst nachrechnen

Sie müssen uns nichts glauben. Zu jeder Zeile Ihrer Dokumentation können Sie im Portal einen Nachweis anfordern. Er enthält die Zeile, einen kurzen Rechenweg aus Fingerabdrücken und den Verweis auf die Versiegelung.

  1. Rechnen Sie den Weg nach. Das ist Standardrechnung nach RFC 6962; sie ergibt genau die versiegelte Zahl, oder eine andere, falls etwas geändert wurde.
  2. Prüfen Sie den Zeitstempel mit üblichen Werkzeugen, etwa openssl ts -verify. Sie erhalten OK oder FAILED, und zwar mit dem Zertifikat des Zeitstempeldienstes, nicht mit etwas von uns.
  3. Prüfen Sie den Bitcoin-Anker mit dem Standard-Client von OpenTimestamps oder schlagen Sie den Block bei einem beliebigen Block-Explorer nach.

Ergibt der Rechenweg die Zahl, die in diesem Block steht, dann existierte Ihre Zeile nachweislich vor diesem Block. Wurde später etwas geändert, endet der Weg bei einer anderen Zahl und das fällt sofort auf. Keine dieser Prüfungen läuft über uns.

Was das für Ihre Dokumentation bedeutet

Aktueller Stand

Die Nachweiskette läuft seit dem 13. Oktober 2026 produktiv. Das Protokoll wird täglich versiegelt, die Bestätigung aus der Bitcoin-Blockchain alle vier Stunden abgeholt. Die ersten Anker liegen in Bitcoin-Block 971206. Bleibt eine Versiegelung aus, ist das eine Störung, die bei uns Alarm auslöst; eine Kette, die stillschweigend aussetzt, ist das einzige Szenario, das dieses System untergraben könnte, und genau darauf wird geachtet.


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